Wer aus dem Douro ins Alentejo fährt, erlebt einen Bruch. Dort steile Terrassen und enge Täler — hier eine Ebene, die bis zum Horizont läuft, unterbrochen nur von Korkeichen und dem gelegentlichen weiß getünchten Gehöft. Ein Drittel Portugals liegt in dieser Region. Sie ist dünn besiedelt, heiß und für den Weinbau überraschend gut geeignet.
Wärme, die man schmeckt
Das Alentejo ist der wärmste Weinbaubereich Portugals. Im Sommer sind vierzig Grad keine Ausnahme, und Regen fällt kaum. Für Reben klingt das nach Stress — tatsächlich ist es der Grund für den Charakter dieser Weine: reif, weich, rund, mit gebändigten Tanninen und dunkler Frucht statt scharfer Kanten.
Die Erzeuger arbeiten gegen die Hitze, nicht mit ihr. Frühe Lesezeiten, kühle Nachtstunden, Lagen in den Ausläufern der Serra de São Mamede, wo es ein paar Grad kühler ist. Wo das gelingt, entsteht ein Wein, der die Wärme im Geschmack trägt, ohne plump zu werden.
Die Rebsorten sind andere — meistens
Im Alentejo dominieren Sorten, die anderswo in Portugal kaum eine Rolle spielen: Trincadeira, würzig und beerig. Aragonez, die hier weicher ausfällt als im Norden. Alicante Bouschet, eine der wenigen Sorten mit rotem Fruchtfleisch, die Farbe und Wucht mitbringt. Antão Vaz bei den Weißen, dicht und gelbfruchtig.
Touriga Nacional findet man auch hier — aber sie spielt eine andere Rolle als im Norden. In der Ebene und in der Hitze verliert sie an Nervosität und gewinnt an Fülle. Dieselbe Sorte, ein anderer Wein.
Warum es hier bezahlbar bleibt
Das Alentejo ist die Region, in der Portugal sein Preis-Leistungs-Versprechen einlöst. Die Flächen sind groß, die Hänge nicht steil, geerntet wird maschinell, wo es geht — nichts davon geht in die Qualität, aber alles davon in den Preis. Ein guter Alentejo kostet einen Bruchteil dessen, was ein vergleichbarer Wein aus einer prestigeträchtigeren Region verlangt.
Nach oben ist die Region trotzdem offen. Es gibt Häuser, die Weine für die internationale Spitze machen — nur eben nicht ausschließlich.
Bei uns die größte Auswahl
Von allen portugiesischen Regionen ist das Alentejo bei uns am breitesten vertreten. Mehrere Güter, von der Alltagsflasche bis zu Weinen, die man aufhebt, mit Schwerpunkt auf Rotwein, aber auch mit Weißweinen, die deutlich unterschätzt sind.
Ein Rat, wenn Sie die Region kennenlernen wollen: Nehmen Sie nicht den teuersten Wein. Das Alentejo zeigt seinen Charakter gerade im mittleren Bereich am deutlichsten — dort, wo die Sonne noch durchschmeckt und die Kellertechnik sie noch nicht wegpoliert hat.